STECKBRIEF | GRASKARPFEN

 
Graskarpfen | Ctenopharyngodon idella (Valenciennes 1844)

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Zoologisches Stichwort

Stamm
Gnathostomata - Kiefermäuler 

Klasse
Osteichthyes - Knochenfische

Ordnung
Cypriniformes - Karpfenartige

Familie
Cyprinidae - Karpfen

Gattung
Ctenopharyngodon

Synonyme | keine

Trivialnamen |Weißer Amur

Herkunftsgebiet & Ausbreitung | Wie bei vielen anderen Karpfenartigen Fischen ist das ursprüngliche Verbreitungsgebiet nicht mehr genau feststellbar, da diese Fische seit dem 10. Jahrhundert in China gezüchtet werden. Allerdings kann man davon ausgehen dass er in folgenden Gebieten heimisch ist: mittlerer und unterer Amur, im Sungari und Ussuri, dem See Khanka und den ostwärts fließenden Flüssen der Volksrepublik China, die in die südliche Provinz Kwangtung fließen.

Da der Graskarpfen ein gefräßiger Pflanzenfresser ist wurde er zur Wasserpflanzenbekämpfung in den 1960ern nach Europa eingeführt

Merkmale & Aussehen | Der Graskarpfen besitzt einen langen Körper mit großen Schuppen und eine stumpfe Schnauze mit leicht unterständigem Maul ohne Bartfäden. Der Rücken ist dunkelgrün bis grünschwarz gefärbt. Er kann die beeindruckende Größe von 1,20 m Länge und ein Gewicht bis zu 40 kg erreichen.

Biologie & Lebensweise | Sowohl in seinem natürlichen Verbreitungsgebiet als auch in den neu eroberten Gewässern bevorzugt der Graskarpfen weiche Wasserpflanzen wie z. B. Laichkrautarten, Hornkraut und Wasserlinsen. Sind diese jedoch nicht vorhanden begnügt er sich auch mit zäheren Gewächsen wie Röhricht, Binsen und Seggen. Wie die meisten Karpfenarten kann auch der Graskarpfen in unseren Gewässern nicht vermehren, da die nötigen mindest Temperaturen von 25°C nicht erreicht werden. In heimischen und warmen neuen Gebieten sind die Graskarpfen jedoch Rekordlaicher. Verschiedenen  Berichten aus China zufolge legen 6 - 14 kg schwere Weibchen zwischen 29.000 und 960.000 Eier. Die Fruchtbarkeit wurde in einer Studie in Indien mit 82 Eiern pro Gramm Körpergewicht angegeben.

Graskarpfen können sich mit dem Silberkarpfen Hypopthalmichthys molitrix kreuzen.

Status & aktuelle Verbreitung | In den 1960ern begann die Ausbreitung des Graskarpfens Europa. Um aquatischen Unkräutern Herr zu werden, wurden die Fische in Seen, Teiche und Flüsse eingesetzt. Ebenfalls in den 1960ern wurden Graskarpfen in die U. S. A. importiert und sollten in einer Fischereiversuchsanstalt in Stuttgart, Arkansas gehalten werden. Allerdings entkamen Jungfische in den White River und breiteten sich von dort aus. Ihre Wanderlust hat dazu nur beigetragen. Wanderungen von bis zu 1700km sind bekannt. Im Gegensatz zu Mitteleuropa kann sich der Fisch in Nordamerika vermehren und ist nun in den Flusssystemen des Mississippi, Ohio, Missouri aber auch in Texas verbreitet. Zudem wurden die Fische auch großflächig in der ehemaligen Sowjetunion, Kasachstan und Zentralasien eingeführt.

Invasiv oder nicht invasiv? | Obwohl es manchmal sehr verlockend klingt übermäßigem Pflanzenwuchs in Seen und Teichen durch das Einsetzen eines Fisches Herr zu werden und es immer noch einige gerne täten, sollten die Probleme die mit der Einführung des Graskarpfens die Gefahren klar vor Augen führen. Zudem muss hier gesagt werden, dass mit Graskarpfen u. U. das Pflanzenwachstum eingeschränkt wird, aber die Ursache dafür, z. B. Nährstoffeinträge, nicht verändert werden und ein See nach menschlichen Maßstäben vielleicht gesünder aussieht aber nicht unbedingt gesünder ist.

In großen Zahlen eingesetzt können Graskarpfen die Vegetation eines Sees vollständig eliminieren. Selbst in großen Seen wie z. B. dem 8.100 ha großen Lake Conroe in Texas kann es zu einem vollständigen Kahlfraß kommen. Graskarpfen machen nicht Halt vor fasrigen und härteren Pflanzen wie Schilf, Rohrkolben, Seggen und Binsen, verspeisen aber auch mit Vorliebe Tausendblatt, Laichkrautarten und andere schmackhaften, weicheren Wasserpflanzen. Sind die Tiere in geringeren Zahlen vorhanden, so dass genügend Nahrung vorhanden ist, kommt es zu einer Verschiebung in den Pflanzengesellschaften hin zu weniger essbaren oder giftigen Pflanzen. Da Pflanzen zur Verbesserung der Wasserqualität beitragen vermindert sich dadurch die Fähigkeit eines Seensystems sich zu regenerieren. Zudem verschwinden mit Abnahme des Pflanzenbewuchses Lebensräume für Invertebraten und Jungfischen. Dies wirkt sich wiederum auf die Abundanzen und Diversität von Fischen und Wasservögel aus denen der Nachwuchs bzw. die Nahrungsgrundlage fehlen. Fehlen die Makrophyten um Nährstoffe aus dem Wasser zu entnehmen, nimmt das Algenwachstum zu was auch Veränderungen im Zooplankton hervorrufen kann.

Obwohl der Graskarpfen eventuell für Gewässer geeignet wäre, wo man sich komplett des Pflanzenbewuchs entledigen möchte wie z. B. Teiche in Golfanlagen oder Abwasserkanälen, sind diese Fische durch ihre große Wanderbereitschaft fähig aus diesen Gewässern auch in andere vorzudringen und dort nicht ein zu dämmenden Schaden anzurichten.

Bekämpfungsmaßnahmen | Abfischen.

Weiterführende Literatur & Links
Dieser Artikel wurde mit Hilfe folgender Webseite geschrieben: Gulf States Marine Fisheries Commission http://nis.gsmfc.org/nis_factsheet.php?toc_id=182

Kontakt | Ralph O. Schill, umwelt@vdst.de

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